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Coaching Top Siegel von Focus und XING sorgt für Unruhe

Burda bietet Coaches in einem Schreiben ein sogenanntes "Focus-Siegel" für 5000 Euro an - und erntet dafür öffentliche Kritik.

Käuflich sei die Auszeichnung jedoch nicht, erklärt der Münchner Verlag daraufhin.

Von David Denk

Der Hamburger Motivationstrainer Steve Kroeger hat mit einem Facebook-Post seit Dienstagabend große Aufmerksamkeit auf ein erstaunliches Angebot gelenkt. Kroeger veröffentlichte einen Brief der Focus Magazin Verlag GmbH, einer Tochterfirma des Burda-Verlags, in dem ihm folgendes Angebot unterbreitet wurde: "Zum Preis von 5000 Euro (zzgl. MwSt.)" könne er das "hochwertige Focus-Siegel" erwerben, das ihn als "Top Coach 2016" ausweist und damit "Ihrer Außenkommunikation, z.B. Ihrem Briefpapier oder Ihren Werbeunterlagen den perfekten Schliff" verleiht. Als Verkaufsargument wird das "Vertrauen von Millionen Menschen in die Kompetenz der Marke Focus" angeführt. In dem Brief heißt es zwar, "die aktuelle Erhebung aus Focus und Xing Coaches belegt eindrucksvoll: Sie zählen zu Deutschlands besten Coaches"; Details zur Erhebung gehen daraus aber keine hervor. Ein journalistisch anmutendes Qualitätssiegel gegen Geld?

Kroeger kommentierte: "Mit diesem Mindset entfernen wir uns von unserem eigenen Kern. Von unserer Authentizität."

Die Liste der 500 angeschriebenen und in der Focus-Beilage "Network" am 9. Juli erstmals veröffentlichten 250 Top-Coaches sei "das Ergebnis einer aufwendigen und repräsentativen Recherche durch das unabhängige Marktforschungsinstitut Statista", erklärt eine Burda-Sprecherin auf SZ-Nachfrage. Nur wer "besonders häufig von Coaching-Kollegen oder Personalern aus Unternehmen, die für die Buchung und Zusammenarbeit mit Coaches zuständig sind, weiterempfohlen worden" sei, gehöre zu diesem auserwählten Kreis, 6800 Teilnehmer habe die Studie gezählt.

Der Focus rühmt sich damit, dass es "seit jeher zum Markenkern" gehöre, "Orientierung in unübersichtlichem Märkten zu schaffen", etwa mit den seit mehr als 20 Jahren veröffentlichten Ärztelisten oder jenen für "Beste Arbeitgeber" und Anwälte. "Die Auszeichnung ist selbstverständlich nicht käuflich", stellt Burda klar, "ebenso wenig zahlen Coaches, wenn sie die Auszeichnung kommunizieren wollen."

Das ist nicht ganz falsch - aber auch nur begrenzt richtig: Dem Kleingedruckten zufolge gilt dies nur "für eine einmalige Veröffentlichung einer Pressemitteilung sowie für die Nutzung im Kontext der Pressemitteilungs-Veröffentlichung auf Ihrer Homepage". Wer mit dem Siegel länger als vier Wochen werben oder die Urkunde ins Büro hängen möchte, "der kann" - sprich: muss - "es käuflich erwerben".

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Kommentare 2

Gäste - Thorsten Isack am Mittwoch, 27. Juli 2016 11:36
Verschiede Sichtweisen

Ich frage mich, wie es wohl unseren Kunden geht, die sich im Dschungel von zig Anbietern orientieren müssen. Geben Sie den Begriff "Coach" doch mal in einer Suchmaschine ein. Die Trefferquote geht in die Millionen.

Da kann es hilfreich sein, wenn sich auch populäre Zeitschriften mit dem Thema beschäftigen. Ich glaube es ging nicht darum den "besten" Coach zu finden, sondern vielmehr eine Unterscheidung zu treffen, wer was anbietet. Wenn (bzw. ob) es Rückmeldungen von Kunden gibt, dann muss das doch nicht schlecht sein. Das der Fokus sein Siegel (und nicht das Umfrageergebnis) vermarkten möchte finde ich ok. Man muss das Siegel ja nicht kaufen.

Wenn man genau hinschaut, sind die Qualifizierungen der in der Liste genannten Coaches oft sehr fundiert. Die Bezeichnung "Coach" ist nicht geschützt. Da helfen unseren Kunden vielleicht solche Listen weiter. Das hören manche Coaches nicht gerne. Vielleicht auch, weil man den eigenen Namen vermisst?

Machen wir uns doch nichts vor. Der Mark ist heiss umkämpft. Man muss sich von der Konkurrenz unterscheiden. Die Einen punkten mit einer guten Selbstvermarktung. Die Anderen mit einer fundierten Ausbildungen und / oder Berufserfahrung. Die "Guten" mit einer Mischung von allem ;-) Am Ende entscheidet der Kunde. Und das ist auch gut so!

Ich frage mich, wie es wohl unseren Kunden geht, die sich im Dschungel von zig Anbietern orientieren müssen. Geben Sie den Begriff "Coach" doch mal in einer Suchmaschine ein. Die Trefferquote geht in die Millionen. Da kann es hilfreich sein, wenn sich auch populäre Zeitschriften mit dem Thema beschäftigen. Ich glaube es ging nicht darum den "besten" Coach zu finden, sondern vielmehr eine Unterscheidung zu treffen, wer was anbietet. Wenn (bzw. ob) es Rückmeldungen von Kunden gibt, dann muss das doch nicht schlecht sein. Das der Fokus sein Siegel (und nicht das Umfrageergebnis) vermarkten möchte finde ich ok. Man muss das Siegel ja nicht kaufen. Wenn man genau hinschaut, sind die Qualifizierungen der in der Liste genannten Coaches oft sehr fundiert. Die Bezeichnung "Coach" ist nicht geschützt. Da helfen unseren Kunden vielleicht solche Listen weiter. Das hören manche Coaches nicht gerne. Vielleicht auch, weil man den eigenen Namen vermisst? Machen wir uns doch nichts vor. Der Mark ist heiss umkämpft. Man muss sich von der Konkurrenz unterscheiden. Die Einen punkten mit einer guten Selbstvermarktung. Die Anderen mit einer fundierten Ausbildungen und / oder Berufserfahrung. Die "Guten" mit einer Mischung von allem ;-) Am Ende entscheidet der Kunde. Und das ist auch gut so!
Gäste - Max Beier am Freitag, 02. März 2018 19:31
Vor allem...

wenn für die "Transparenz" 5.000,00 Euro generiert werden. Die Coachingszene schafft es immer wieder eindrucksvoll, durch Wertschöpfung Werte zu schröpfen.

wenn für die "Transparenz" 5.000,00 Euro generiert werden. Die Coachingszene schafft es immer wieder eindrucksvoll, durch Wertschöpfung Werte zu schröpfen.
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